Die Daten zur Gerätebewertung müssen mit den genehmigten Projekt- und Standortinformationen verglichen werden.
Was ein Bewertungsetikett wirklich aussagt
Das Typenschild einer Mittelspannungsschaltanlage gibt an, welchen Belastungen die Anlage unter standardisierten Bedingungen standhält. Es ist kein Zertifikat für die Eignung der Anlage für einen bestimmten Standort, kein Ersatz für eine Netzstudie und keine Bestätigung für die korrekte Einrichtung und Koordination der Schutzeinrichtungen. Dieses Verständnis ist die Grundlage für jeden Ingenieur, Einkäufer oder Anlagenleiter, der eine Schaltanlagenanfrage bearbeitet.
Dieser Artikel erläutert die wichtigsten Kenngrößenfamilien von Mittelspannungsschaltanlagen – Bemessungsspannung, Isolationsniveau, Bemessungsnennstrom, Kurzschlussfestigkeit und Abschaltvermögen sowie Schutzschnittstelle – und verdeutlicht die Bedeutung der einzelnen Begriffe sowie, ebenso wichtig, was sie allein nicht erklären können.
Auf einem Typenschild sind Gerätedaten verzeichnet; eine Projektprüfung stellt die Eignung des Standorts fest.
Abbildung 01: Beziehung zwischen dem Nennleistungskennzeichen einer Schaltanlage und dem Kontext der Systemdokumentenprüfung; das Nennleistungskennzeichen definiert die Leistungsfähigkeit der Anlage, während Lastfluss-, Kurzschluss- und Schutzstudien die Standortanforderungen definieren, die unabhängig voneinander verglichen werden müssen.
Bewertungskonzepte und die Unterscheidung zwischen Ausrüstung und Standort
Nennspannung
Die Bemessungsspannung – manchmal auch als maximale Bemessungsspannung bezeichnet – ist die höchste Systemspannung zwischen den Phasen, für die die Schaltanlage ausgelegt ist. Die anwendbare Normenausgabe sollte durch die IEC-Webshop und die genehmigte Projektdokumentation. Die Auswahl einer Klasse ist nicht gleichbedeutend mit der Bestätigung, dass die Schaltanlage für eine bestimmte Sammelschienenspannung geeignet ist; Nennspannung, zu erwartender Spannungsanstieg, Transformatorstufenstellung und Oberschwingungs- oder Transientenbedingungen müssen anhand der tatsächlichen Standortdaten bewertet werden.
Ein Schaltschrank mit einer bestimmten Nennspannung bestätigt, dass der Hersteller ihn in dieser Spannungsklasse geprüft hat. Ob die örtliche Nennspannung und deren zulässige Toleranz innerhalb dieser Spannungsklasse liegen, ist eine Frage der Bauplanung vor Ort und nicht eine Frage der Kennzeichnung.
Isolationsgrad
Der Isolationspegel wird durch zwei zusammengehörige Werte ausgedrückt: die Netzfrequenz-Stehspannung und die Blitzstoßspannungsfestigkeit (auch als Basisstoßisolationspegel oder BIL bezeichnet). Zusammen definieren sie den dielektrischen Bereich, dem das Gerät unter standardisierten Testbedingungen nachweislich standhält.
Die Isolationsfestigkeit ist nicht gleichzusetzen mit der Nennspannung. Ein System mit langer Freileitungszuleitung kann eine höhere Impulsfestigkeit erfordern als ein rein kabelgespeistes städtisches Umspannwerk mit nominell gleicher Spannungsklasse. Die geeignete Isolationsfestigkeit muss auf die spezifischen Überspannungsumgebungen, das Überspannungsschutzsystem und die Kabelanschlusskonstruktion der Anlage abgestimmt sein – all diese Informationen sind nicht allein auf dem Typenschild des Geräts zu finden.
Nennbetriebsstrom
Der Nennstrom ist der Dauerstrom, für den die Hauptschiene und die Schaltgeräte bei einer bestimmten Umgebungstemperatur und unter festgelegten Belüftungsbedingungen ausgelegt sind. Er entspricht nicht dem maximalen Laststrom, den die Anlage tatsächlich aufnimmt; dieser Wert wird aus einer Lastanalyse ermittelt, die Bedarfsfaktoren, zukünftige Wachstumsprognosen, Anlaufströme des Motors und gegebenenfalls erforderliche Leistungsreduzierungen aufgrund der tatsächlichen Gehäusetemperatur berücksichtigt.
Spannungs-, Strom-, Kurzschluss- und Schutzreferenzen beschreiben verschiedene Teile der Geräte- und Projektprüfung.
Abbildung 02: Konzeptionelle Anordnung der vier Hauptnennwertfamilien – Spannung, Strom, Kurzschluss und Schutzschnittstelle – die ihre Unabhängigkeit und die separate Standortanalyseebene zeigt, die jede mit den Projektanforderungen verknüpft.
Es ist notwendig, Schaltanlagen mit einem Nennstrom zu spezifizieren, der die berechnete maximale Leistungsaufnahme übersteigt. Die Bestimmung der Sicherheitsmarge ist jedoch eine projekttechnische Entscheidung und kein Wert, der direkt vom Typenschild abgelesen werden kann.
Kurzschlussfestigkeit und Abschaltvermögen
Die Kurzschlussfestigkeit lässt sich in zwei verwandte, aber unterschiedliche Werte unterteilen.
Bemessungs-Kurzschlussstrom (auch als Bemessungskurzzeitstromfestigkeit bezeichnet) ist der Spitzen- und Effektivwert des symmetrischen Stroms, den das Sammelschienensystem, das Gehäuse und alle stromführenden Teile über einen bestimmten Zeitraum ohne Beschädigung aushalten können. Er bestätigt die mechanische und thermische Integrität unter Fehlerbedingungen.
Bemessungskurzschlussstrom (für Leistungsschalter) oder Bemessungskurzschlussstrom (Bei Schaltern und Schützen) beschreibt die Schalt- oder Schließfähigkeit des Schaltgeräts selbst. Diese Werte sind nicht mit der Nennstromfestigkeit der Sammelschiene identisch und entsprechen auch nicht dem tatsächlich verfügbaren Fehlerstrom an einem bestimmten Punkt im Verteilungsnetz.
Zur Ermittlung des tatsächlich verfügbaren Kurzschlussstroms ist eine Kurzschlussstromanalyse erforderlich. Dabei werden der vom Energieversorger angegebene Kurzschlussstrom am Einspeisepunkt, die Kabelimpedanzen, die Transformatorimpedanzen und die Motorbeiträge berücksichtigt. Diese Analyse wird vom verantwortlichen Ingenieur durchgeführt und nicht von einem Typenschild abgelesen. Die Nennleistung des Schaltschranks muss das Analyseergebnis um den in der Projektspezifikation und den geltenden Vorschriften geforderten Sicherheitsabstand übersteigen; der Vergleich ist eine Projektaufgabe, keine Aufgabe, die lediglich auf dem Typenschild basiert.
Das KYN28 metallgekapselte Schaltanlage ist ein Beispiel für eine ausziehbare metallgekapselte Konstruktion, deren Kurzschlussparameter demselben Rahmen folgen – Etiketten dokumentieren die getestete Leistungsfähigkeit; die Fehlerstrompegel vor Ort werden durch Untersuchungen ermittelt.
Bemessungsdauer des Kurzschlusses
Eng mit der Kurzschlussstromfestigkeit verknüpft ist die Bemessungsdauer: die Anzahl der Sekunden, in denen das Gerät den Bemessungsfehlerstrom ohne unzulässigen Temperaturanstieg aushalten kann. Die Summe aus Relais-Ansprechzeit und Leistungsschalter-Öffnungszeit muss unter ungünstigsten Bedingungen kürzer als diese Dauer sein. Die Überprüfung dieses Verhältnisses ist eine Maßnahme zur Schutzkoordination und keine bloße Etikettenprüfung.
Schutzschnittstelle, Dokumente, Prüf- und Genehmigungseingaben
Mittelspannungsschaltanlagen bilden die physikalische und elektrische Schnittstelle für Schutzrelais, Stromwandler (CTs), Spannungswandler (VTs) und die zugehörige Steuerverdrahtung. Das Typenschild einer Schaltanlage gibt keine Auskunft über die Schutzeinstellungen, Relaisarten, die tatsächlich benötigten CT-Übersetzungsverhältnisse oder die Kennlinien, die das Ansprechverhalten der Relais und die Zeitverzögerung bestimmen. Diese werden durch eine spezielle Schutzanalyse für das jeweilige Netz ermittelt.
Die Schnittstellen für Schaltschränke, Leistungsschalter, Steuerungen und Schutzeinrichtungen müssen anhand der genehmigten Zeichnungen und Studien berücksichtigt werden.
Abbildung 03: Übersicht über die Schaltschrank- und Leistungsschalterschnittstelle, die die physische Position der Relaisfelder, der Sekundärverdrahtung der Stromwandler, der Sekundärkreise der Spannungswandler, des Steuerbusses und der Hilfskontakte zeigt – all dies erfordert eine projektspezifische Planung, bevor irgendwelche Einstellungen vorgenommen werden können.
Was die Schutzschnittstellenbewertung aussagt
Der Abschnitt „Schutzschnittstelle“ eines Spezifikations- oder Einreichungsblatts kann die verfügbare Stromwandler-Lastklasse, den Montageplatz und die Anschlussanordnung des Relais, die Hilfsspannung für Auslösespulen und Steuerschaltungen sowie die Überwachungsvorschriften für die Auslöseschaltungen auflisten. Keine dieser Angaben stellt ein Schutzkonzept dar. Sie definieren die physikalischen und elektrischen Grenzen, innerhalb derer ein Schutztechniker ein für die Netztopologie, die Quellkonfiguration, die Lastkritikalität und die Koordinierungsanforderungen der jeweiligen Anlage geeignetes Konzept entwickeln muss.
Welche Dokumente sind erforderlich, damit ein Ratingvergleich aussagekräftig ist?
Ein Leistungsvergleich ist für sich genommen nicht aussagekräftig. Das Mindestdokumentenpaket, das einer Schaltanlagenspezifikation beigefügt oder vorausgehen muss, umfasst Folgendes: Einliniendiagramm Definition der Buskonfiguration und der Isolationsphilosophie; a Kurzschlussstudienbericht Ermittlung des verfügbaren Kurzschlussstroms an jedem Bus; Lastflussbericht Ermittlung der maximalen Leistungsaufnahme und des Leistungsfaktors; a Studie zur Relaiskoordination Ermittlung von Zeit-Strom-Kennlinien und Rücksetzzeiten; Kabel- und Transformatorpläne Bereitstellung von Impedanzeingängen; und die Projektspezifikation Festlegung von Mindestbewertungsmargen, Testanforderungen und Akzeptanzkriterien.
Für kompakte sekundäre Verteilerpunkte – wie beispielsweise jene in der Ring-Haupteinheit Klasse – die gleichen Dokumentenrichtlinien gelten unabhängig vom geringeren physischen Platzbedarf. Leistungsschalter Die in diesen Baugruppen enthaltenen Bauteile verfügen über eigene Typenschilddaten für die Abschaltleistung und die Betriebsart; diese Werte müssen auch mit den Studienergebnissen abgeglichen werden und dürfen nicht isoliert betrachtet werden.
Akzeptanzreferenzquellen
Wenn eine Inbetriebnahmeabnahme erforderlich ist, gilt folgende Referenzhierarchie: Projektspezifikation (definiert Mindestwerte und Toleranzen), die OEM-Installations- und Bedienungsanleitung (definiert Testmethoden und Schwellenwerte für werkseitig geprüfte Parameter), Isolationsprüfdaten mit dem Gerät geliefert (definiert die Basislinie für den Feldisolationswiderstand und die Hochpotentialprüfung) und die Werksprüfbericht oder Routineprüfbescheinigung Die mitgelieferten Unterlagen sind Bestandteil der Baugruppe. Allgemeine Richtlinien können diese Primärquellen nicht ersetzen; sie müssen für jedes spezifische Projekt von einer qualifizierten Person beschafft, geprüft und angewendet werden.
Eine vergleichbare Angebotsanfrage definiert Systemdaten, Dokumente, Schnittstellen, Inspektionsumfang, Verpackung und Bestimmungsort.
Abbildung 04: Käuferbewertungsdatenpaket und RFQ-Dokumentensatz, der die Eingaben veranschaulicht, die ein Hersteller benötigt, um zu überprüfen, ob die angebotenen Geräteleistungen für das beschriebene Projekt geeignet sind – einpoliges Diagramm, Studienberichte, Spezifikation und Standortbedingungen.
Tische
Vergleich von Bewertungskonzepten
Bewertungskonzept
Was das Etikett bestätigt
Was das Etikett nicht auflöst
Bemessungsspannung
Maximale Spannungsklasse, für die das Gerät ausgelegt und geprüft wurde
Ob die tatsächliche Systemspannung, einschließlich Toleranz und transientem Anstieg, in diese Klasse passt
Isolationspegel (BIL / Netzfrequenz)
Durchschlagsfestigkeit unter standardisierten Testbedingungen
Ob die Überspannungsumgebung und die Kabelanschlussmethode eine andere Klasse erfordern
Bemessungsbetriebsstrom
Dauerstromfähigkeit bei den angegebenen Umgebungs- und Belüftungsbedingungen
Maximaler Bedarfsstrom nach Lastanalyse, Bedarfsfaktor und Reduzierung aufgrund der tatsächlichen Umgebungsbedingungen
Kurzschlussfestigkeit
Mechanische und thermische Integrität bei Nennkurzschlussstrom und Nenndauer
Tatsächlich verfügbarer Fehlerstrom an der Installationssammelschiene aus einer Kurzschlussstudie
Kurzschlussausschaltstrom
Unterbrechungsfähigkeit des Schaltgeräts unter Standardtestbedingungen
Ob diese Fähigkeit den berechneten asymmetrischen Fehlerstrom am Geräteort übersteigt
Bemessungs-Kurzschlussdauer
Maximale Überstandszeit bis zum Erreichen der Schadensschwelle
Ob die Relais-Ansprechzeit plus die Öffnungszeit des Leistungsschalters innerhalb dieser Dauer bleibt
Schutzschnittstelle
Physikalische und elektrische Grenzen für Relais-, Strom-, Spannungswandler- und Steuerleitungen
Schutzkonzept, Relaisart, Stromwandlerübersetzung, Einstellungen und Koordination
Beispielhafte Tabelle zur Früherkennung
Die folgenden Einträge dienen lediglich der Veranschaulichung. Sie stellen keine Messwerte, bestätigte Feldereignisse oder technische Empfehlungen dar. Sie zeigen die Art von Fragen, die ein prüfender Ingenieur im Rahmen einer ersten Dokumentenprüfung stellen könnte, bevor die detaillierte Studie abgeschlossen ist.
Symptom
Erster Test
Wahrscheinliche Ursache
Nächste Aktion
Die angegebene Nennspannungsklasse scheint niedriger zu sein als die angegebene Systemnennspannung.
Vergleichen Sie die Nennspannung des Systems mit der Definition der maximalen Nennspannung in der entsprechenden Norm.
Spannungsklassenkonflikt oder Dokumentenfehler
Besorgen Sie sich die aktualisierten SLD- und Netzspannungsdaten; melden Sie Abweichungen dem zuständigen Ingenieur.
Der Nennstrom liegt nahe am prognostizierten Spitzenbedarf, ohne erkennbare Reserve.
Überprüfung der Annahmen der Laststudie: Umgebungstemperatur, Bedarfsfaktor, Wachstumsprognose, Derating-Methode
Unzureichende Sicherheitsmarge oder optimistische Lastschätzung
Beauftragen Sie einen Elektrotechniker mit der Neuberechnung des Bedarfs unter Berücksichtigung von Leistungsreduzierung und Wachstum; vergleichen Sie das Ergebnis mit der nächstverfügbaren Stromklasse.
Das Ergebnis der Kurzschlussprüfung erreicht oder überschreitet den Nennkurzschlussstrom
Überprüfen Sie die Eingangsgrößen der Quellimpedanz, die Transformator-Nennleistung und den Motorbeitrag im Studienmodell.
Unterbestimmte Fehlerbewertung oder Studieneingaben wurden nach der ersten Spezifikation aktualisiert
Kurzschlussstudie mit bestätigtem Netzfehlerstrom wiederholen; revidiertes Ergebnis mit der Nennstromfestigkeit vergleichen
Die Bemessungsdauer des Kurzschlusses ist kürzer als die Abschaltzeit des Relais im Rahmen der Koordinierungsstudie.
Überprüfung der Koordinationsstudie zur Ermittlung der ungünstigsten vorgelagerten Backup-Bereinigungszeit unter maximalen Fehlerbedingungen
Die Schutzabschaltzeit ist für die Schutzdauer des Geräts zu langsam.
Ziehen Sie einen Schutztechniker hinzu, um die Zeitverzögerung des Backup-Relais anzupassen oder Geräte mit längerer Überbrückungsdauer zu evaluieren.
Die CT-Lastklasse im Antrag stimmt nicht mit der Anforderung an die Relais-Eingangslast überein.
Prüfen Sie die Relaisbelastungsdaten bei maximalem Sekundärstrom anhand des Datenblatts des Relaisherstellers.
Abweichungen bei der Stromwandlerspezifikation zwischen Relaisstudie und Schaltanlagenbestellung
Bestätigte Relaisbelastung vom Schutztechniker einholen; Stromwandlerklasseänderung beim Hersteller anfordern
RFQ-Eingabedatenpaket
Datenkategorie
Erforderlicher Artikel
Quelldokument
Systemspannung
Nennspannung des Systems und zulässiger Toleranzbereich
Netzanschlussvereinbarung oder aktuelle SLD
Überspannungsumgebung
Überspannungsschutzsystem, Kabel- oder Freileitungsansatz, Ableiterstandort
SLD- und Standortuntersuchungsbericht
Maximaler Laststrom
Spitzenbedarf nach Lastanalyse, Bedarfsfaktor und allen anwendbaren Leistungsreduzierungen
Lastflussanalysebericht
Verfügbarer Fehlerstrom
Symmetrischer und asymmetrischer Fehlerstrom an jedem relevanten Bus
Kurzschlussstudienbericht
Anforderungen an Schutzsysteme
Relaisarten, Strom- und Spannungswandlerklasse und -last, Auslöse- und Schließspannung
Innen- oder Außenbereich, Raumgröße, Kabeleinführungsrichtung und -anzahl
Architektur- und Bauzeichnungen
Projektspezifikation
Mindestbewertungsmargen, Testanforderungen und Akzeptanzkriterien
Projektspezifikationsdokument
Häufig gestellte Fragen
Bestätigt die Angabe der Nennspannungsklasse auf dem Typenschild, dass das Gerät für meine Systemspannung geeignet ist?
Nein. Die Nennspannungsklasse bestätigt, dass das Gerät für diese Klasse unter standardisierten Bedingungen ausgelegt und geprüft wurde. Ob die tatsächliche Systemspannung – einschließlich der vom Energieversorger zulässigen Toleranz und etwaiger zu erwartender transienter oder ferroresonanter Spannungsspitzen – sicher innerhalb dieser Klasse liegt, entscheidet ein qualifizierter Ingenieur anhand standortspezifischer Daten. Das Typenschild ist ein notwendiger Ausgangspunkt; es stellt keine Standorttauglichkeitsbescheinigung dar, und es als solche zu behandeln, umgeht die technische Risikoanalyse, die das tatsächliche Risiko aufdeckt.
Kann ich den Nennstrom als maximal zulässigen Laststrom für meine Anlage verwenden?
Nicht direkt. Der Nennstrom basiert auf einer definierten Umgebungstemperatur und festgelegten Belüftungsbedingungen. Ist die tatsächliche Umgebungstemperatur höher als der Nennwert oder weicht die Gehäusebelüftung von den Nennbedingungen ab, ist eine Stromreduzierung erforderlich. Der korrekte maximal zulässige Laststrom für eine bestimmte Installation ergibt sich aus einer Lastanalyse und einer Berechnung der Stromreduzierung unter Berücksichtigung der Projektbedingungen und wird anschließend mit dem Nennwert verglichen – er kann nicht direkt vom Typenschild abgelesen werden.
Worin besteht der Unterschied zwischen Kurzschlussfestigkeit und Kurzschlussausschaltstrom?
Der Kurzschlussstrom (oder Kurzzeitstromfestigkeit) ist der Strom, den die Sammelschiene, das Gehäuse und alle stromführenden Teile über einen Nennzeitraum ohne mechanisches Versagen oder unzulässigen Temperaturanstieg aushalten können. Der Kurzschlussausschaltstrom ist der Strom, den das Schaltgerät – typischerweise ein Leitungsschutzschalter – sicher unterbrechen kann. Beide Werte müssen den für die jeweilige Anlage berechneten Fehlerstrom überschreiten, beschreiben jedoch völlig unterschiedliche physikalische Funktionen und dürfen bei der Überprüfung von Gerätedokumentationen niemals synonym verwendet werden.
Welche Dokumente benötige ich, um die Nennleistungen von Schaltanlagen sinnvoll mit den Anforderungen meines Projekts vergleichen zu können?
Mindestens erforderlich sind: ein aktuelles einpoliges Schaltbild mit Darstellung der Buskonfiguration und der Einspeisungsanordnung; ein Kurzschlussanalysebericht mit Angabe des verfügbaren Fehlerstroms an jedem relevanten Bus; eine Lastflussberechnung mit Angabe der maximalen Leistungsaufnahme; eine Relaiskoordinationsstudie zur Festlegung der Abschaltzeiten; Impedanztabellen für Kabel und Transformatoren; sowie die Projektspezifikation mit Definition der Mindestmargen und Abnahmekriterien. Ohne diese Unterlagen ist ein Vergleich der Nennwerte mit den Projektanforderungen unvollständig. Sobald Ihre Dokumentation vollständig ist, unterstützt Sie das Ingenieurteam von XIYA POWER gerne bei der Überprüfung. komplette Schaltanlagenschränke Vergleichen Sie die Spanne mit Ihren angegebenen Projektdaten.
Sind die Schutzeinstellungen in der Nennleistung der Schaltanlage enthalten?
Nein. Die Schaltanlage bildet die physikalische und elektrische Schnittstelle für Schutzrelais, Stromwandler, Spannungswandler und Steuerleitungen. Das Schutzkonzept – einschließlich Relais-Typauswahl, Stromwandlerübersetzung, Ansprechwerte, Zeitverzögerungen und Koordinierungskennlinien – wird von einem Schutztechniker auf Basis der Netztopologie, der Quellkonfiguration, der Lastkritikalität und der Koordinierungsanforderungen der jeweiligen Anlage entworfen. Die Einstellungen sind ein Projektergebnis nach einer Koordinierungsstudie; sie entsprechen nicht den Werksangaben und lassen sich nicht allein aus den Daten auf dem Typenschild ableiten.
XIYA POWER fertigt Mittelspannungsschaltanlagen für weltweite Verteilungsprojekte. Für Produktspezifikationen und Projektunterstützung wenden Sie sich bitte direkt an das technische Team von XIYA POWER.
Candy Zhao
Candy Zhao ist Vertriebsleiterin bei XIYA POWER und koordiniert technische Angebotsanfragen für Mittelspannungsschaltanlagen, Lasttrennschalter, Trennschalter, Sicherungsauslöser, Überspannungsableiter und zugehörige Verteilungsanlagen. Sie unterstützt die Kommunikation bei Angeboten, Zeichnungen, Prüfberichtsanforderungen, Lieferbedingungen und Exportaufträgen für Energieversorger, Generalunternehmer, Schaltschrankbauer und Distributoren.